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9. Internationaler Studienkurs in Religionsphilosophie am Inter University Center Dubrovnik (Kroatien): "Religionsphilosophie heute"

Datum: Montag, 20 Juni 2016 - Sonntag, 26 Juni 2016
Ort: Inter University Centre Dubrovnik, Don Frana Bulica 4, Dubrovnik, Kroatien (siehe: www.iuc.hr)
Veranstalter: Deutsche Gesellschaft für Religionsphilosophie (Mitveranstalter)


Beschreibung

Leitung:
Prof. Dr. Ingolf U. Dalferth (Zürich/Claremont), Prof. Dr. Jörg Dierken (Halle-Wittenberg), Prof. Dr. Elisabeth Gräb-Schmidt (Tübingen), Prof. Dr. Hans-Peter Großhans (Münster), Prof. Dr. Jure Zovko (Zagreb/Zadar)

Tagungsort:
Inter University Centre Dubrovnik, Don Frana Bulica 4, Dubrovnik, Kroatien (siehe: www.iuc.hr)

Ansprechpartner / Anmeldung:
Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, Evang.-theol. Fakultät, Universität Münster, Universitätsstr. 13-17, 48159
Münster; e-mail: grosshans@uni-muenster.de

Im Zentrum des religionsphilosophischen Studienkurs steht die Frage, welche Ansätze heute in der Religionsphilosophie vertreten werden. Die Sichtung des Panoramas gegenwärtiger religionsphilosophischer Konzeptionen und die Gewinnung eines Überblicks über die vielfältigen Ansätze in der Religionsphilosophie der Gegenwart geschieht freilich auf dem Hintergrund bestimmter Problemkonstellationen, von denen die gegenwärtige Religionsforschung überhaupt geprägt ist. So sollen bei dem Studienkurs am IUC Dubrovnik zum einen markante religionsphilosophische Ansätze und Konzeptionen diskutiert und zum andern einige aktuelle Probleme, die sich speziell in der Gegenwart der Religionsphilosophie stellen, diskutiert werden. Zwei dieser Probleme seien paradigmatisch kurz thematisiert:

1. Zwar findet eine grundsätzliche, aber zugleich auch pauschale Religionskritik heute kein Gehör mehr. Doch umso mehr kommt es gerade in der philosophischen Reflexion von Religion darauf an, differenziertere Argumentationen für einen kritischen Umgang mit den Religionen und der religiösen Praxis von Individuen und Gemeinschaften zu entwickeln. Nur so lassen sich Kriterien entwickeln, die zwischen besser und schlechter auch im Blick auf die Religionen und die religiöse Praxis von Menschen zu unterscheiden ermöglichen. Die philosophische Reflexion von Religion als Lebensphänomen kommt nicht darum herum, eine solche kritische Unterscheidung einzuüben - schon allein deshalb, um in Sachen Religion sprachfähig zu werden. Unklar ist
heute jedoch weitgehend, woran man sich bei solcher Beurteilung orientieren kann, wenn man den Religionen und der religiösen Praxis der ihnen anhängenden Individuen gerecht werden will.

2. Seit Jahren vollzieht sich eine ‚empirische Wende’ in der religionswissenschaftlichen und religionsphilosophischen Beschäftigung mit Religion, die diese primär oder ausschließlich als anthropologisches, gesellschaftliches und kulturelles Phänomen in den Blick faßt und nicht mehr in erster Linie als Wahrnehmungsweise des Göttlichen oder Übernatürlichen. Das hat zu erheblichen Spannungen mit denjenigen Traditionen religionsphilosophischen - aber auch theologischen - Denkens geführt, die den Transzendenzbezug für unverzichtbar halten und Religionsphilosophie nach wie vor oder mit neuer Emphase im Modus der Metaphysik oder der Transzendentalphilosophie traktieren. Diese neuzeitlichen und vorneuzeitlichen Formen der Religionsphilosophie stehen in deutlichem Konflikt mit deskriptiven (etwa am Philosophieren Wittgensteins orientierten), pluralistischen und naturalisierenden (neuerdings vor allem neurowissenschaftlichen) Zugangsweisen zum Phänomenbereich der Religion und Religionen. So wird zu diskutieren sein, ob Religionsphilosophie von Metaphysik und metaphysischen Fragestellungen gänzlich abstrahieren kann oder welche Reflexionsaufgaben und Reflexionsformen von religiösen Phänomenen übrig bleiben, wenn man postmetaphysische Zugänge zum Religionsphänomen sucht. Dazu sind dann auch Fragen zu erörtern wie: Gibt es überhaupt Religion ohne Metaphysik und ist eine metaphysikabstinente Religionsphilosophie kein Selbstwiderspruch? Wie ist das Phänomen religiöser Kommunikation philosophisch zu verstehen, wenn diese  gezielt als eine a-metaphysische bzw. postmetaphysische Praxis verstanden wird? Wird mit der Ausblendung jeder metaphysischen Dimension nicht auch die Wahrheitsfrage aus den Religionen vertrieben, so daß die kritische Auseinandersetzung mit ihnen nicht mehr unter wahrheitstheoretischen, sondern nur noch unter machttheoretischen und ethischen Fragestellungen vollzogen werden kann? Und: Können religiöse Phänomene gänzlich naturalisiert, also z. B. neurowissenschaftlich erklärt werden und welche Folgen hat dies für eine religionsphilosophische Auseinandersetzung mit dem Thema Religion?

Zum Studienkurs sind erfahrene Wissenschaftler/innen, Postdoktoranden/innen, Doktoranden/innen und religionsphilosophisch interessierte Studierende eingeladen. Es gehört zum Konzept des Studienkurses, daß jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer ein rund halbstündiges Referat (mit anschließender Diskussion) über ein Thema eigener Wahl zu halten hat. Die Themen können sich auf Konzeptionen in der Religionsphilosophie der Gegenwart oder die beispielhaft genannten Problemkreise beziehen. Darüber hinaus ist jedoch auch möglich, daß die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dem Studienkurs über ein Thema aus ihren eigenen Studien und Forschungen referieren und ihre Einsichten und Thesen zur Diskussion stellen.

Vorläufiges Programm-Schema
Mo., 20.6.2016 Anreise
Di., 21.6. 9.00 - 14.30 Uhr: Vorträge und Diskussion
Mi., 22.6. 9.00 - 14.30 Uhr: Vorträge und Diskussion
Do., 23.6. 9.00 - 14.30 Uhr: Vorträge und Diskussion
Fr., 24.6. 9.00 - 14.30 Uhr: Vorträge und Diskussion
Sa., 25.6. Exkursion nach Mostar und Medjugorje (Bosnien-Herzegowina)
So., 26.6. Abreisetag

Organisatorisches:
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer organisieren ihre Reise nach Dubrovnik, ihre Unterkunft dort und die Verpflegung selbst. Hilfreiche Hinweise dazu sind bei Prof. Großhans erhältlich, bei dem auch die Anmeldung zum Studienkurs erfolgt. Für die Exkursion nach Mostar und Medjugorje in Bosnien-Herzegowina entstehen weitere Kosten.

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