12. Internationaler Studienkurs in Religionsphilosophie "Moderne Religionsphilosophie der Gegenwart": Vernunft und Religion

Datum: Montag, 03 Juni 2019 - Samstag, 08 Juni 2019
Ort: Inter University Centre Dubrovnik, Don Frana Bulica 4, Dubrovnik, Kroatien.
Veranstalter: Professores I.U. Dalferth, J. Dierken, E. Gräb-Schmidt, H.-P. Großhans, J. Zovko.


Beschreibung

Im Mittelpunkt des religionsphilosophischen Studienkurses am Inter University Center (IUC) in Dubrovnik (Kroatien) steht das Thema “Vernunft und Religion”. Neben Beiträgen zu diesem Themenkreis können jedoch auch darüber hinaus gehende Beiträge von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern präsentiert werden, in denen sie eigene Studien und Forschungen präsentieren und zur Diskussion stellen.

Die Bestimmung des Verhältnisses von Vernunft und Religion ist ein zentrales Thema der Religionsphilosophie, an dem ihr besonderer Umgang mit dem Thema “Religion” - z.B. im Unterschied zu einem theologischen oder religionswissenschaftlichen Umgang mit “Religion” - besonders deutlich zu werden scheint. Gleichwohl ist weder eindeutig, was “Religion” noch was “Vernunft” ist. Entsprechend ist die Verhältnisbestimmung von Vernunft und Religion vielfältig mit Konsequenzen für die diversen Ansätze und Konzeptionen von Religionsphilosophie, die sich im Laufe ihrer Geschichte herausgebildet haben. Zudem ist die Abgrenzung der Religionsphilosophie - sozusagen als einer philosophischen Reflexion von “Religion” - zur Theologie und zur Religionswissenschaft nicht so eindeutig, wie es scheint, und je nach Konzeption von Religionsphilosophie unterschiedlich. Umgekehrt ist in der Theologie und gelegentlich auch in der Religionswissenschaft die Religionsphilosophie selbstverständlich - wie gerade auch in der Theologie die Bestimmung des Verhältnisses von Vernunft und Glaube zu den elementaren Bestandteilen der Fundamentaltheologie gehört.

In der gegenwärtigen Renaissance der öffentlichen Aufmerksamkeit in Europa für das Thema “Religion” werden Religionen überwiegend in ihren irrationalen Elementen wahrgenommen, die zum einen ein vielfältiges Bedrohungspotential für die Sicherheit und den Bestand der vorhandenen Gesellschaften in sich bergen (das dann entsprechend einzuheben und zu disziplinieren ist), die zum anderen jedoch auch neue Sichtweisen und Horizonte für das individuelle und gemeinschaftliche Leben in einer einseitig rationalisierten - technisch und ökonomisch geprägten - Lebenswelt eröffnen. Zugleich ist mit dem in Europa immer mehr sich ausbreitenden religiösen Analphabetentum eine intellektuelle Hilflosigkeit gegenüber der Pluralität der Religionen mit ihren vielfältigen Ausdrucks- und Gemeinschaftsformen zu beobachten, die mit einer Kritikunfähigkeit der pluralen Ausdrucks- und Reflexionsweisen des Gottesverhältnisses und der religiösen Praxis von Menschen und Gemeinschaften einhergeht. So kommt es verbreitet im modernen Europa zu einer regressiven Hinnahme gegebener Traditionen, Kulturen oder Kontexte, die um ihrer Authentizität und um der Authentizität der ihnen zugerechneten Menschen unbedingt zu respektieren ist. Aus dem Gesamthorizont der eigenen Lebenswirklichkeit können dann keine Wahrheitsansprüche mehr abgeleitet werden können, die das Gegebene in Frage stellen könnten. Denn das Gegebene - die Traditionen und Kulturen - findet seine Begründung nur im historischen Prozeß. Im Blick auf die Freiheitsgeschichte der Individuen ist dies eine ambivalente Entwicklung. Denn damit rücken zumeist verschiedene Kollektive, seien es Ethnien, Geschlechter, soziale Schichten oder auch kulturelle und religiöse bzw. konfessionelle Traditionen in den Mittelpunkt, die ihrerseits als neue essentialistische Identitätsmuster den einzelnen Menschen ihre Individualität, ihr Selbst- und Andersseins zu berauben drohen. Theologisch ist damit in der Regel ein Rückfall in den Konfessionalismus und in standardisierte Religionstypen verbunden.

Damit ist ein Beispiel genannt, an dem deutlich wird, wenn im Blick auf die Religion die Vernunft ausfüllt oder zumindest unterbestimmt bleibt. Wenn die Vernunft in der Religion ausfällt - die Vernunft als universaler Kommunikationvollzug -, kommt es zu vielfältigen Formen der ästhetisierenden (Re)Inszenierung des Heiligen, zum Vorrang des vom splendor veritatis erzeugten Eindrucks gegenüber sachlichen Argumenten, sowie zu einer Vernachlässigung der Überzeugungen von Angehörigen einer Religionsgemeinschaft zugunsten ihrer religiösen Authentizität. In einer solchen Konstellation kommt gerade der Religionsphilosophie als einer vernunftgeleiteten Reflexion von Religion eine wichtige aufklärerische Rolle zu, durch welche die Kritikfähigkeit im weiten Feld der Religionen - im Interesse der Glaubenden - gestärkt wird.

Das Lehr-Konzept in diesem Studienkurs basiert darauf, daß jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer ein halbstündiges Referat (mit anschließender Diskussion) zu halten hat.

Organisatorisches

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer organisieren ihre Reise nach Dubrovnik, ihre Unterkunft dort und die Verpflegung selbst. Hilfreiche Hinweise dazu sind bei Prof. Großhans erhältlich.

Ansprechpartner / Anmeldung: Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, Evang.-theol. Fakultät, Universität Münster, Universitätsstr. 13-17, 48159 Münster; e-mail: grosshans@uni-muenster.de.

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