Doing Interpretation. Perspektiven praxeologischer Hermeneutik

Datum: Freitag, 17 November 2017 - Samstag, 18 November 2017
Ort: Universität Zürich
Veranstalter: Netzwerk Hermeneutik Interpretationstheorie; IHR der Universität Zürich; Prof. Dr. Chritiane Tietz; Dr. Andreas Mauz
Weitere Informationen: http://www.hermes.uzh.ch/de/forschung/NHI/jahrestagungen.html

http://www.hermes.uzh.ch/de/forschung/NHI.html


Beschreibung

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
gerne machen wir Sie aufmerksam auf die 2. Jahrestagung des Netzwerks Hermeneutik Interpretationstheorie (NHI), die am 17./18. November 2017 in Zürich stattfinden wird:

Doing Interpretation
Perspektiv en praxeologischer Hermeneutik 

Keynotes:
 
Andrea Albrecht (Literaturwissenschaft, Stuttgart)
Emil Angehrn (Philosophie, Basel)
Hans-Jörg Rheinberger (Wissenschaftsgeschichte, Berlin)


 
Zum Thema

Wer interpretiert, tut etwas. Dieser Umstand – so schlicht er ist – trat erst in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus hermeneutischer bzw. interpretationstheoretischer Debatten. Als ihr primärer Gegenstand erschien lange relativ klar eine Top-down-Reflexion auf die Natur von Erkenntnis, Verstehen und Interpretation (greifbar etwa in den einschlägigen Begrifflichkeiten des „hermeneutischen Zirkels“, der Verstehen-Erklären-Opposition, des Besserverstehens, der Intentionalitätsproblematik, der Perspektivität etc.). Das hat sich mit dem practice turn geändert. Durch diese v. a. seitens der Wissenschaftsgeschichte und der Sozialwissenschaften kultivierte Umorientierung kommt nun verstärkt der Bereich des Interpretationshandelns in den Blick. Die Aufmerksamkeit gilt hier den Alltagsroutinen der – wissenschaftlichen – Bedeutungsproduktion, und dies insbesondere auch, wo die betreffenden kleinteiligen Praktiken nicht durch Methoden und diese fundierende Theorien bestimmt sind. Was in praxeologischer Perspektive reflektiert wird, ist vielmehr die implizite oder informelle Logik des Interpretationshandelns, aber auch dessen fundamentale Bindung an Materialität, sei es des Körpers, sei es von interpretationsrelevanten Artefakten.
 
Die zweite Jahrestagung des Netzwerks lädt dazu ein, diesen produktiven turn im interdisziplinären Austausch als solchen zu bedenken und weiter voranzutreiben.


Mögliche Fragerichtungen:

Zur Situierung praxeologischer Ansätze: Wie stellt sich die (noch andauernde) Erfolgsgeschichte des turn im Einzelnen dar? Wie verhalten sich die Erklärungsansprüche praxeologischer Ansätze zu einander bzw. zu anderen Erklärungsansprüchen? Welche Praxistheorien bestimmen die Ansprüche? Was ist jeweils „das Andere“ der Praxis? Wie wird etwa das Verhältnis von Theorie, Methode und Praxis modelliert? Welche Rolle spielt innerhalb der tendenziell aktivistisch-intentionalistischen Modelle das passive Sich-Ereignen von Verstehen/Interpretation?
 
 
Zur Praxis praxeologischer Ansätze: Wie lassen sich alltägliche, wie wissenschaftliche Interpretationspraktiken systematisieren? Welche Praktiken sind disziplinenübergreifend relevant? Wie ‚gross’ ist eine Praktik? In welchen Fällen ist es möglich oder notwendig, eine Praxis in Teilpraktiken zu zerlegen? Was tut etwa, wer „liest“, „schreibt“ oder „kommentiert“? Wie kommt es im wissenschaftlichen Kontext zur Etablierung orthodoxer und unorthodoxer (oder gar dubioser) Praktiken, die dann auch die Unterscheidung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft auf den Plan rufen? Wie können Praktiken erschlossen werden, die nicht oder nicht unmittelbar in bestimmten (normierten) Dokumentationsformen niedergelegt sind? Welche Rolle spielt im Kontext praxeologischer Untersuchungen die Differenz von Selbst- und Fremdbeobachtung?
 
Wir bitten um Beiträge zu diesen und ähnlich grundlegenden Aspekten. Proposals (maximal 2’500 Zeichen, incl. Leerzeichen) sind bis zum 15. Juli 2017 einzureichen unter folgender Adresse: nhi@access.uzh.ch. Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge!
 
Christiane Tietz, Vorsitzende NHI
Andreas Mauz, Koordinator NHI  


Literaturhinweise:
Albrecht, Andrea et al. (Hg.), Theorien, Methoden und Praktiken des Interpretierens , Berlin 2015.
Büger, Christian; Gadinger, Frank, International practice theory: new perspectives, Basingstoke 2014.
Hillebrandt, Frank, Soziologische Praxistheorien. Eine Einführung, Wiesbaden 2014.
Hörning, Karl H.; Reuter, Julia (Hg.), Doing Culture. Neue Positionen zum Verhältnis von Kultur und Praxis, Bielefeld 2004.
Martus, Steffen; Spoerhase, Carlos, Praxeologie der Literaturwissenschaft, in: Geschichte der Germanistik 35/36 (2009), 89-96.
Reckwitz, Andreas, Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken. Eine sozialtheoretische Perspektive, in: Zeitschrift für Soziologie 32 (2003), 4, 282-301.
Rheinberger, Hans-Jörg, Experimentalanordnungen in Wissenschaft und Kunst, in: Parzinger, Hermann et al. (Hg.), ArteFakte: Wissen ist Kunst – Kunst ist Wissen. Reflexionen und Praktiken wissenschaftlich-künstlerischer Begegnungen, Bielefeld 2014, 307-319.
Schäfer, Hilmar (Hg.), Praxistheorie. Ein soziologisches Forschungsprogramm, Bielefeld 2016.
Schatzki, Theodore et al. (Hg.), The Practice Turn in Contemporary Theory, New York 2001.
Soler, Léna, Science after the practice turn in the philosophy, hi story, and social studies of science, New York 2014.