Systematik auf der Insel: Karl Jaspers "Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung"

Datum: Montag, 14. Februar 2022 - Freitag, 18. Februar 2022
Ort: Haus Meedland, Nordseeinsel Langeoog.
Veranstalter: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Prof. Dr. Cornelia Richter
Weitere Informationen: https://basis.uni-bonn.de/qisserver/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&publishid=200608&moduleCall=webInfo&publishConfFile=webInfo&publishSubDir=veranstaltung


Beschreibung

 

Das Blockseminar dient zur Einführung in die systematisch-theologische Teildisziplin der Religionsphilosophie, etwa im Rahmen der Vorbereitung auf das Philosophikum der Studiengänge Evangelische Theologie. Hierzu behandelt es in diesem Jahr den Philosophen und Psychater Karl Jaspers. Jaspers ist schon deshalb eine interessante Persönlichkeit für die heutige Forschung, weil er interdisziplinär gearbeitet hat und sowohl im Bereich der Medizin, als auch im Bereich der Philosophie veröffentlichte. Außerdem war er mit dem Soziologen Max Weber gut befreundet und von der Lebensphilosophie und Hermeneutik beeinflusst, was ihn anschlussfähig an viele der im 21. Jahrhundert wieder geführten Diskurse in Theologie und (Religions-)Philosophie macht. Sein Religionsverständnis ist stark vom Transzendenzbegriff und dem Prozess des Transzendierens her geprägt sowie von subjektivitätstheoreitschen Überlegungen der existentiellen Beteiligung des jeweiligen Menschen bei der weltanschaulichen Positionierung als Perspektive seines:ihres Weltbilds. Sein bereits vorher in einigen Schriften sich andeutende Religionsverständnis entwickelt er 1962 in der im Seminar gelesenen Schrift "Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung" ausführlich.

Darüber hinaus verdankt die Geisteswissenschaft Jaspers eine Reihe von Begrifflichkeiten, derer sich die Disziplinen in Abgrenzung oder Anschluss auch heute noch bedienen, wie etwa die Rede von „Grenzsituationen” oder „Achsenzeiten”, sodass die Kenntnis von Jaspers Denken der Orientierung in der Philosophie des 20. und 21. Jahrhunderts dient. Jaspers ist, auch wenn er selbst nicht im klassischen Sinne schulbildend gewirkt hat, dennoch in seiner Konstellation mit Martin Heidegger und Hannah Arendt wichtig, um den gesellschafts- bzw. politisch-philosophischen Diskurs der Deutschsprachigen Philosophie in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu verstehen. Zunächst befreundet, später in Abgrenzung zum reaktionäreren Heidegger und als Lehrer und lebenslanger Gesprächspartner der noch progressiveren Arendt, bildet er gegenüber beiden die konservative Variante eines liberalen Gegenentwurfs der Existenzphilosophie. Auch vom Schicksal während des Nationalsozialismus bildet er neben der Gleichschaltung (Heidegger) und der Migration (Arendt) gleichsam die dritte Variante der inneren Migration ab, da er und seine aus einer jüdischen Familie stammende Frau Repressalien (Zwangspensionierung, Publikationsverbot) unter dem Nazi-Regime ausgesetzt waren, die Ausreise aber nicht bzw. zu spät forcierten. Diese Kontextualität des Jaspers’schen Denkens philosophiegeschichtlich aufzuzeigen ist neben dem Verständnis der Struktur einer noch zu wählenden philosophischen Ganzschrift und einer werkgeschichtlichen Erkundung seiner Philosophie sowie der Rezeption seines Denkens ein wesentlicher Bestandteil des Blockseminars.

 

Der Veranstaltung wird Karl Jaspers Schrift "Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung" (1962) zugrunde gelegt. Diese können Sie entweder antiquarisch erwerben oder digital im open access downloaden bei der Kar-Jaspers-Forschungsstelle der Akademie der Wissenschaften in Heidelberg unter https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglitData/pdfOrig/kjg1_13.pdf.

Die obligatorische und fakultativ zu lesende Sekundärliteratur wird Ihnen im Vorbereitungsschreiben zu Beginn der Vorlesungszeit des Wintersemesters mitgeteilt. Soweit urheberreichtlich möglich, wird wenigstens die Sekundärliteratur über eCampus zur Verfügung gestellt.

 

ACHTUNG: Bei der Anmeldung zur Veranstaltung erklären Sie sich automatisch bereit, die Kosten für Übernachtung und Verpflegung im Tagungshaus zu tragen. Dies gilt ggf. selbst bei nachträglicher Abmeldung, sofern niemand nachrückt und das Tagungshaus Ausfallkosten in Rechnung stellt! Dies gilt natürlich nicht, wenn die Veranstaltung im Zuge der Absage durch das Tagungshaus oder aufgrund der Corona-Verordnungen der betroffenen Länder oder Institutionen ausfällt.

 

Platzanfragen und Anmeldungen: natalie.pietsch@uni-bonn.de

 

Fragen zu Inhalt und Ablauf: daniel.rossa@uni-bonn.de